Wissensmanagement und Suchproblematiken sind altbekannt und doch nicht gelöst - was sind wirklich funktionierende Perspektiven für die Informationssuche in Unternehmen?
... Im Interview mit Herrn Michael Zipfel, Application Developer, Schwerpunkt Portallösungen bei der BI Business Intelligence GmbH
Herr Zipfel, die Datenbestände in Unternehmen wachsen exponentiell an und Sie sprechen von einem hohem Informationsmangel?
Mit dem rasanten Wachstum der Datenbestände wächst auch unser Problem zu einer Fragestellung oder einem Thema, relevante Datensätze zu finden und so schließlich aus Daten auch nützliche Information zu gewinnen. Außerdem müssen gefundene Datensätze zueinander und zum Ausgangsproblem in Beziehung gesetzt werden. So liefert uns eine Suchanfrage zu einem technischen Problem zwar zahlreiche Informationen über ähnlich geartete Schwierigkeiten, kaum aber eine Lösung.
Durch erfolglose Suche und Unwissen über die Existenz von Daten werden Informationen neu und häufig doppelt in Unternehmen erstellt. Solange der Suchvorgang nicht optimiert wird, werden Datenbestände weiterhin sinnlos überproportional wachsen und Mitarbeiter ihre wertvolle Zeit damit vertun, die Informationen zu suchen, die sie eigentlich benötigen.
Wir haben Suchmaschinen wie Google, die in Sekundenbruchteilen riesige Datenmengen durchforsten und Dokumentenmanagementsysteme. Warum finden wir trotzdem nicht was wir suchen?
Mehrere Methoden der Suche müssen an dieser Stelle unterschieden werden, da diese verschiedene Unzulänglichkeiten aufweisen. Die Volltextsuche berücksichtigt alle Worte eines Textes gleichberechtigt, aber es werden keine weiteren Informationen, wie bspw. bei der Verschlagwortung, genutzt. Bei dieser werden zusätzlich Metainformationen, einem Text zugewiesen, die diesen bzw. seinen Inhalt beschreiben.
Trotz eines hohen Aufwandes reicht oft schon ein Schreib- oder Tippfehler bzw. ein nicht beachtetes Synonym in der Metainformation/Suchanfrage und ein Datensatz wird nicht mehr gefunden. Problemfelder lassen sich zudem häufig nicht genau mit ein paar Schlagworten umreißen. Zum Oberbegriff Ostsee beispielsweise findet man zahlreiche Urlaubsinformationen, aber auch Dokumente zu Umweltfragen. Begriffe wie Schwimmen, Strand oder Hotel, welche die Urlaubsinformationen charakterisieren, können auch in Dokumenten zu Umweltfragen auftauchen. Sie unterscheiden nicht zwischen beiden Themengebieten und helfen uns wenig bei der gezielten Suche.
Die Schäden, die Unternehmen durch ineffiziente Informationssuche ihrer Mitarbeiter entstehen, liegen laut einer aktuellen Studie bei über 60 Minuten pro Tag. Wie kann dem Problem zukünftig begegnet werden?
Kurz zwei Schlagworte hierzu: zusätzliche Informationen und Semantic Web. Der Mix aus Zusatzinformationen kann aus der Korrelation von Worten, dem Abgleich von Synonymen, der Berichtigung von Schreibfehlern und der Nutzung von Übersetzungen sowie Abkürzungen bestehen.
Neu hinzu sollten die Methoden des Semantic Web kommen. Mit der Bildung komplexer Strukturen um die eigentlichen Datensätze herum, eröffnen sich völlig neue Perspektiven. Der Name eines Autors beispielsweise wird nicht nur als Text abgelegt, sondern der Autor selbst als Objekt mit Beziehungen zu bestimmten Dokumenten, Personen oder Themengebieten in einer Datenbank gespeichert. Die Beziehungen zwischen vielen solcher Objekte und den jeweiligen Dokumente bilden ein so genanntes Semantic Web.
Ganz neue Abfragen werden so ermöglicht. Es können vorhandene Objekte aufgelistet werden und der Überprüfung für die Metadaten neu anzulegender Dokumenten dienen. So werden doppelte, anders bezeichnete Einträge vermieden. Außerdem können Wissensträger, Menschen oder Arbeitsgruppen, zu einem Dokument in Beziehung gesetzt und bei einem Problem direkt befragt werden. Wir nutzen dieses Modell bereits sehr intensiv für unsere Kunden, weitere gewinnbringende Implementierungen werden folgen.
Die Anforderungen an semantische Netzwerke können von Unternehmen zu Unternehmen stark variieren. Sie präsentieren eine Lösung, die unter diesem Aspekt eine gezielte Unterstützung von Geschäftsprozessen ermöglicht, was dürfen wir uns darunter vorstellen?
Jedes Problemfeld benötigt seinen "Ausschnitt" aus der eigenen Unternehmens-Welt (Ontologie). Dieser besteht aus den abzubildenden Objekten und den Beziehungen zwischen diesen. Eine erste Ontologie für ein Unternehmen lässt sich häufig aus dem Geschäftsprozess ableiten, da dieser in den meisten Fällen schon strukturiert wurde und seine Bestandteile bekannt sind. Auf diese Grundstruktur kann dann jedes Unternehmen für sich aufbauen. Da sich diese Ontologien je nach Einsatzzweck des Semantic Web stark unterscheiden und auch im Laufe der Zeit gewissen Erweiterungen und Änderungen unterworfen sind, müssen zukunftsweisende Verfahren eine Möglichkeit bieten, diese flexibel anzupassen.
Genau hier setzt eines unserer Projekte mit der Universität Leipzig an, das diese viel versprechende Technologie bspw. in unsere Enterprise Portallösung Trilith™ integriert. Das bietet den Kunden eine einfach zu bedienende und schon bekannte Oberfläche, mit der er auf seine Datenbestände zugreifen kann. Außerdem können viele schon angelegte Objekte, wie zum Beispiel die Benutzer, direkt für das Semantic Web verwendet werden.
Herr Zipfel, zum Abschluss, wo sehen Sie zukünftige Entwicklungen?
Laut Studien verbringen immer mehr Leute Zeit und Geld damit, Informationen zu finden oder im Zweifelsfall doppelt zu erstellen. Der eigentliche Nutzen von Daten entsteht aber erst bei seiner Wiederverwendung. Da die Datenmengen immer weiter wachsen, wird sich das Verhältnis von Aufwand und Nutzen einer Datensammlung immer weiter verschlechtern. Hier kann nur eine effektivere und umfassendere Suche helfen.
Gute Unternehmer wissen, dass es Zeit wird zu handeln, bevor man der wachsenden Datenmenge im Unternehmen nicht mehr Herr werden kann und wichtiges Unternehmenswissen gar verloren geht. Technologien wie das Semantic Web versprechen daher schon jetzt einen enormen Vorsprung im weltweiten Wettbewerb und werden in ein paar Jahren unabdingbar sein. Gut für die Unternehmen, welche sich heute schon mit dem Thema befassen.