DW 2.0 - Die nächste Generation des Data Warehousing
... Im Interview mit Herrn Prof. Dr. oec. Klaus Kruczynski, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig
Herr Prof. Kruczynski, bevor wir über die zweite Generation des Data Warehousing sprechen, bleiben wir zunächst bei der ersten – welche Verbreitung haben derartige Technologien in der Wirtschaft?
Sie sind heute aus dem Unternehmensalltag nicht mehr wegzudenken, zumindest ab dem gehobenen Mittelstand. Data Warehousing ist eine der tragenden Säulen von Business Intelligence (BI). BI nimmt nach GARTNER seit Jahren Position 1 in den technologischen Prioritäten der IT-Investitionen ein. Das seit Inmons Vorschlägen in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stürmisch in Gang gekommene Data Warehousing hat leider auch Fehlentwicklungen aufzuweisen, die nur mit hohem Aufwand korrigiert werden können. Ich denke in diesem Zusammenhang an Federated Data Warehouses.
Web 2.0, SOA 2.0 oder Advanced SOA und nicht zuletzt DW 2.0 - es stellt sich zwangsläufig die Frage nach Marketingkonzept oder wirklicher Innovation. Was ist nach der ersten Euphorie in der praxisrelevanten Wirklichkeit geblieben, von der Hoffnung eines neuen Konzepts des Data Warehousing?
Vielleicht anfangs belächelt, wird es ein Next Generation Data Warehouse geben; davon bin ich überzeugt. In welchem Maße es dann dem Inmonschen DW 2.0 entsprechen wird, ist eine ganz andere Frage. Auf alle Fälle sind Inmon und seine Verbündeten durch große Konferenzen und neue Publikationen weiter auf dem Vormarsch.
Ausgehend von Inmons DW 2.0-Ideen, muss sich die neue Data-Warehouse-Generation zumindest folgenden Problemkreisen stellen:
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Data-Warehouse-Strukturierung entsprechend dem Lebenszyklus der Daten,
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vom lokalen zum Enterprise Metadaten Repository,
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Data Warehouse als Bestandteil einer übergeordneten serviceorientierten Architektur (SOA).
Bei der Frage der Einbeziehung unstrukturierter Daten in das Data Warehouse bin ich noch skeptisch. Keine Frage, dass effiziente Analysemöglichkeiten für unstrukturierte Daten entwickelt werden müssen, die bis zu 80% des Gesamtdatenvolumens im Unternehmen ausmachen können. Ob diese Möglichkeiten unmittelbar zu einem integrierten Data Warehouse gehören werden oder durch einen anderen Enabler innerhalb einer SOA-Infrastruktur zu lösen sind, bleibt für mich noch offen.
Der Begriff "Data Warehouse" ist nicht geschützt, sie sprechen sogar von Missbrauch der klassischen Definition. Sie bezeichnet einfache Reporterzeuger, aber auch neuere Entwicklungen wie OLAP-Tools. DW 2.0 ist mit einer Trademark geschützt. Welche Neuerungen und Vorteile bringt die Lösung den Anwendern?
Das ist korrekt, der Begriff des "Data Warehouse" ist nicht geschützt, aber er ist von Inmon präzise definiert worden. Wenn Inmon jetzt "sein" Data Warehouse produktrechtlich schützt, hat das vor allem etwas mit dem Business seines Unternehmens zu tun. Das ist für mich höchstens mittelbar von Interesse. Was im wissenschaftlichen Sinne zählt, das sind wirkliche Neuerungen, die der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung Rechnung tragen und von denen die Anwender – unabhängig von Trademarks – profitieren werden.
2006 wurde DW 2.0 vorgestellt, es folgten Konferenzen, die ausschließlich zum Thema stattfanden. Vor zwei Monaten schloss die Cebit 2008 Ihre Tore. Wie bewertet die IT-Welt heute die Bedeutung der Neuerungen im Data Warehousing?
Kritisch, denn "der Markt für BI hat sich aufgelöst" (Dr. Wolfgang Martin), oder Herr Köthner, Chefredakteur von is report, sagt: "BI ist tot." Droht also dem Data Warehouse der Todesstoß? Überhaupt nicht. Das Data Warehouse ist in der SOA angekommen, und es wird von Anfang an zu einem ERP-System gehören. Daraus erwachsen völlig neue Möglichkeiten, welche die IT-Welt zunächst vorsichtig beobachten wird.
Eine abschließende Frage Herr Prof. Kruczynski, wo sehen Sie zukünftige Entwicklungen im Data Warehouse Bereich? Was sollten Unternehmen heute bedenken, um die Herausforderungen von Morgen zu bewältigen?
Sie müssen sich vor allem um die Erhöhung ihrer Datenqualität und um BI-Governance kümmern, um das Data Warehousing zielgerichtet in die Unternehmensstrategie einzubinden. Erst dann kann es gelingen, mehr und mehr die geforderte Integration zwischen dem Data Warehouse, SOA und der Prozesswelt im Sinne von Corporate Performance Management zu vollziehen.
Informationen zur Person:
Prof. Dr. oec. Klaus Kruczynski lehrt seit 1993 Wirtschaftsinformatik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Zum Thema Data Warehousing lehrte er an der Hochschule Liechtenstein. Gegenwärtig hält er Vorlesungen über BI an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, an der Universität Leipzig und an der Laurea University in Espoo/Finnland.
Ab 2006 ist er Mitglied des Programmkomitees der World Multi-Conference on Systemics, Cybernetics and Informatics Orlando, Florida, USA. Im Jahre 2008 wurde er in das Programmkomitee der IMETI (International Multi-Conference on Engineering and Technological Innovation) berufen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen hauptsächlich im Bereich Business Intelligence und SOA.
BI arbeitet traditionell eng mit Forschungseinrichtungen zusammen, liefert durch die eigene Marktnähe zentrale Hinweise zum Forschungsbedarf und profitiert für die eigenen Produkte und Kunden vom zeitnahen Wissenstransfer.